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Vom Mentee zum Mentor - Ein Interview mit Nuri Khayal
14.07.2020

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Wir freuen uns, dass unser Mitglied Nuri Khayal seit Juni 2020 als Mentor im ABSOLVENTUM Mentoring-Programm aktiv ist. Herr Khayal machte seinen Bachelor of Science in VWL an der Universität Mannheim und war während seines Studiums selbst Mentee. Mittlerweile ist er als Ökonom in der geldpolitischen Abteilung bei der Deutschen Bundesbank tätig. Im Interview mit Anna Haberkorn (Assistentin im Mentoring-Programm bei ABSOLVENTUM) erzählt er, welche Erfahrungen er mit dem Mentoring-Programm gemacht hat und wie er selbst Mentor wurde.

Herr Khayal, Sie hatten selbst während Ihres Studiums eine Mentorin und einen Mentor im Rahmen unseres Mentoring-Programms. Heute sind Sie ebenfalls als Mentor tätig. Wie kamen Sie damals zu ABSOLVENTUM bzw. dem Mentoring-Programm?

Ich bin durch den ehemaligen Mentoring-Referenten dazu gekommen. Herr Hoffmann kam damals in eine unserer Fachschaftssitzungen und hat von ABSOLVENTUM und dem Mentoring-Programm erzählt. Ich fand das ganz interessant und bin daraufhin einfach mal bei ihm vorbei und hab mich beraten lassen. Dadurch hat sich das dann alles entwickelt.

In welchem Semester waren Sie da?

Im ersten Semester, also sehr früh im Studium. Deshalb hat mir Herr Hoffmann auch meine erste Mentorin vorgeschlagen, weil sie damals selbst noch nicht lange ihr Studium abgeschlossen hatte. Im ersten Semester ist ein naheliegendes Thema ja das Studium und die Studienplanung und da das bei ihr auch noch nicht so lange her war wie bei anderen, bot sich das einfach an.

Hatten sie konkrete Erwartungen an das Mentoring damals?

Keine konkreten Erwartungen, aber ich hatte mir schon den Zugang zur Arbeitswelt erhofft. Meine Mentorin hatte zu dem Zeitpunkt schon ein paar Jahre Berufserfahrung im Finanzministerium und ich wusste auch schon, dass ich mal im öffentlichen Bereich – also im Ministerium oder einer Zentralbank – arbeiten möchte. Und da konnte sie mir auch den Einblick geben, den ich mir vorgestellt hatte. Für mich stand damals nicht im Vordergrund, dass mir Praktika oder Jobs vermittelt werden, sondern dass ich die Möglichkeit bekomme, Fragen zu stellen. So konnte ich dann auch herausfinden, was mich beim Berufseinstieg erwarten würde und ob meine Vorstellungen dazu passten.

Daran direkt anknüpfend: Inwiefern hat Ihre Zeit als Mentee Ihren beruflichen Werdegang beeinflusst?

Es ist natürlich sehr schwer zu sagen, wo ich stehen würde, wenn ich das Mentoring-Programm nicht genutzt hätte. Aber ich muss sagen, dass es mir gerade für den Start sehr geholfen hat. Meine erste Mentorin hat während ihres Studiums beim ZEW (Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung) als studentische Hilfskraft gearbeitet und es mir sehr empfohlen. Ich habe mich daraufhin näher über das ZEW informiert und schließlich ein Praktikum dort gemacht, bevor ich ebenfalls wissenschaftliche Hilfskraft bei Professor Heinemann wurde. Die Zeit am ZEW hat mich sehr vorangebracht: Sowohl die beruflichen und inhaltlichen Einblicke, die ich dadurch bekommen habe, als auch das Netzwerk, in das ich dadurch eingeführt wurde.

Ihre Mentoringpartnerschaften haben Sie also weiter darin bekräftigt, die von Ihnen angedachte berufliche Richtung einzuschlagen?

Genau. Ich wusste schon was meine Interessen waren und sie kannte dann entsprechend passende Adressen, also Institute oder andere Arbeitgeber, die für mich interessant waren. Sie hatte also wertvolle Tipps und Infos für mich, die meine Interessen gefördert haben.

Rückblickend auf Ihre eigenen Erfahrungen als Mentee: Was ist Ihnen heute als Mentor besonders wichtig? Was möchten Sie vermitteln, was fanden Sie selbst gut?

Also alles, was ich als Mentee gut fand, will ich eigentlich auch so als Mentor weiterführen. Mir hat besonders gefallen, dass es nie einseitig, sondern eine Mentoringpartnerschaft auf Augenhöhe war. Unsere Treffen waren immer von Diskussionen geprägt. Und auch als Mentor finde ich diese Unterhaltungen über Politik oder Themen aus dem Studium sehr wichtig, vor allem weil davon beide Seiten profitieren. Das habe ich auch vor kurzem im Gespräch mit meinem Mentee festgestellt: Im Berufsleben und nach dem Master-Abschluss, hat man vielleicht doch häufig eine andere Perspektive auf Dinge, als noch während des Bachelor-Studiums. Durch die Unterhaltungen mit meinem Mentee wird mir die andere Perspektive aufgezeigt. Deshalb finde ich das für beide Seiten bereichernd.

Warum haben Sie sich dazu entschieden, selbst Mentor zu werden?

Ich habe selbst gute Erfahrungen gemacht und hatte das daher immer im Hinterkopf. Dass es jetzt so schnell ging, hat mich selbst überrascht und kam daher, dass meine ehemalige Mentorin selbst noch als Mentorin tätig ist. Sie wurde dann von meinem jetzigen Mentee angefragt. Da sie aber aktuell nicht zur Verfügung steht, hat sie dann den Kontakt zu mir hergestellt bzw. den Vorschlag gemacht. So bin ich dann als Mentor in das Programm eingestiegen.

Was denken Sie: Welchen Vorteil haben Studierende, die durch einen/eine MentorIn unterstützt werden gegenüber anderen Studierenden?

Da würde ich nochmal diesen Zugang zur Berufswelt nennen, den ich am Anfang schon erwähnt hatte. Den hat man als StudentIn ja nicht von Beginn an. Man hat Interessen und Erwartungen was den Beruf angeht, aber praktische Einblick bekommt man nur nach und nach und teilweise auch nicht gerade einfach. Da ist ein Mentoring schon sehr hilfreich. Außerdem spielt da noch das Netzwerken eine Rolle. Auch hier kann eine Mentoring-Partnerschaft sehr unterstützend sein.

Vorhin sprachen Sie über wichtige Diskussionen in Ihren Mentoringpartnerschaften – könnte sich daraus auch vielleicht auch ein Vorteil für die persönliche Entwicklung ergeben?

Ja, auf jeden Fall. Und diese Entwicklung geht für mich auch über die eigentliche Dauer der Mentoring-Partnerschaft hinaus. Aus meiner ehemaligen Mentoring-Partnerschaft hat sich sogar eine Art Freundschaft entwickelt, sodass wir nach wie vor regelmäßig in Kontakt stehen und noch immer davon profitieren.

Haben Sie Tipps für Studierende, die Sie rückblickend auf Ihre Studienzeit weitergebracht haben oder hätten?

Das Studium ist eine sehr subjektive Erfahrung. Deshalb kann man da schwer allgemeingültige Tipps geben. Rückblickend hat es mich persönlich aber weitergebracht, Kurse zu wählen, die mich wirklich interessieren. Die intrinsische Motivation aus meiner Sicht mit am wichtigsten, deshalb würde ich bei der Kurs- und Studienwahl nach Interesse gehen, und nicht nach Aufwand oder Ähnlichem. Meistens ist man nämlich auch in den Sachen, die einem Spaß machen, am besten. Auch was Praktika angeht, würde ich sagen, dass es später nicht auf die Menge ankommt. Nur Praktika, die einen inhaltlich interessieren, bringen einen weiter und helfen bei der Berufswahl. Auch, wenn es manchmal vielleicht schwer ist, das im Vorfeld einzuschätzen und eine entsprechende Zusage zu bekommen. Da kann dann aber eine Alumnivereinigung wie ABSOLVENTUM, mit seinen vielfältigen Mitgliedern, natürlich eine große Hilfe sein.
Außerdem finde ich, das große Angebot an Initiativen der Uni Mannheim sehr bereichernd und kann nur empfehlen, sich entweder in einer Fachschaft, einer Hochschulgruppe oder anderweitig ehrenamtlich zu engagieren. Mir persönlich hat das wirklich sehr viel gebracht.
Was mir jetzt im Beruf immer wieder auffällt, ist, dass bei Bewerbungen die Studiendauer nur ein Kriterium von vielen ist. Solange man jetzt nicht extrem lange für seinen Abschluss braucht, wird meiner Erfahrung nach nicht so stark darauf geachtet. Es besteht also kein Grund, sich durch das Studium zu hetzen!

Was ist Ihre schönste Erinnerung in Verbindung mit ABSOLVENTUM?

Tatsächlich sind alle schönen Erinnerungen in Verbindung mit dem Mentoring-Programm entstanden.

Kurz und knapp zum Abschluss des Gesprächs: Beschreiben Sie Ihre Mentoring-Erfahrungen in drei Worten!

Es. Lohnt. Sich. (lacht)


Wir bedanken uns bei Nuri Khayal für sein Engagement als Mentor und für dieses Interview!


Text: Anna Haberkorn
Foto: privat von Nuri Khayal

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