ABSOLVENTUM-Mitglied Dr. Matthias Weiß über sein Startup e-gears 30.09.2020
Bereits vor der Corona-Pandemie gründete unser Mitglied Dr. Matthias Weiß gemeinsam mit seinem Partner Martin Krißmer die e-gears GmbH. e-gears GmbH betreibt einen online-marketplace für e-Fahrzeuge. Der Schwerpunkt liegt insbesondere auf e-Scootern, e-Bikes und Zubehör. Kunden können dort direkt vom Hersteller oder Großhändler kaufen. In unserem Interview berichtet er uns von seiner Begeisterung für die e-Mobilitätsbranche und warum er das Unternehmen gegründet hat.
Welchen Bezug haben Sie zur Universität Mannheim und wie war Ihr beruflicher Werdegang?
Ich habe an der Universität Mannheim Rechtswissenschaften studiert und an der Philipps-Universität Marburg zu einem prozessrechtlichen Thema promoviert. Neben meiner Zulassung als Rechtsanwalt in Deutschland bin ich in England & Wales als Rechtsanwalt zugelassen (Solicitor of the Senior Courts). Anschließend habe ich einen Intensivkurs zum Thema „Finance & Accounting“ an der Cambridge Judge Business School in England belegt. Ich habe als Wirtschaftsanwalt in internationalen Kanzleien in Frankfurt und Mannheim gearbeitet und zu internationalen Rechtsthemen publiziert. Danach bin ich in die Industrie gewechselt und leite dort den Rechtsbereich eines weltweit tätigen Industrieunternehmens. Den e-gears marketplace, über den wir ja heute reden wollen, habe ich losgelöst von dieser Industrietätigkeit gemeinsam mit einem Partner, Martin Krißmer, gegründet.
Mit e-gears haben Sie einen digitalen Marktplatz für e-Fahrzeuge geschaffen. Warum lohnt sich ein Besuch auf Ihrer Webseite?
Immer mehr Menschen wollen losgelöst vom Auto mobil in den Städten unterwegs sein. Mit einem e- Scooter etwa ist man so flexibel wie ein Fußgänger aber vier Mal so schnell. Derzeit konzentrieren wir uns auf e-Roller im weiteren Sinn, e-Scooter und e-Bikes sowie damit vergleichbare Produkte und Zubehör. Unser Sortiment wird permanent erweitert, da der Markt immer weiterwächst. Unsere KundInnen können bei uns e-Fahrzeuge suchen, vergleichen, sich informieren und kaufen. Und zwar direkt vom Hersteller oder Großhändler. Da der Weg über den Zwischenhändler wegfällt, können wir unsere Fahrzeuge zu entsprechend guten Preisen anbieten. Der Markt ist noch sehr unübersichtlich, da ständig neue HerstellerInnen hinzukommen.
Woher soll der Kunde oder die Kundin wissen, welche AnbieterInnen es gibt und welches Fahrzeug für sie oder ihn am besten geeignet ist?
Bei uns können sich unsere KundInnen schnell einen Überblick über die verschiedenen e-Fahrzeugkategorien verschaffen und die Produkte der verschiedenen Marken bequem miteinander vergleichen, bevor sie diese direkt über unsere Webseite kaufen können. Schneller und einfacher geht es nicht. Man könnte auch sagen: e-gears ist eine hochspezialisierte Suchmaschine mit anschließender Kaufgelegenheit. Außerdem bieten wir den KundInnen die Möglichkeit, über unsere Nachrichtenfunktion direkt mit dem Verkäufer/ der Verkäuferin in Kontakt zu treten und Fragen zum Produkt zu stellen. Viele unserer KundInnen machen von dieser Option rege Gebrauch. Wir haben außerdem eine Kooperation mit der Zurich Versicherung. Somit können unsere KundInnen bei ihrem Kauf gleich eine Versicherung mit dazu buchen. Außerdem gibt es ganz tolle, auch junge Unternehmen, die hervorragende Produkte herstellen. Einige davon sind noch gar nicht sonderlich bekannt. Dies ändern wir.
Ihr Marktplatz richtet sich ja vor allem an Privatkunden, die für den Eigenbedarf ein e-Fahrzeug kaufen und sich vorher bestmöglich informieren wollen. Bieten Sie auch Lösungen für Unternehmen, die eine e- Fahrzeug-Flotte aufbauen wollen?
Ja. Immer mehr Unternehmen kontaktieren uns und bitten uns für sie eine Ausschreibung bei unseren AnbieterInnen durchzuführen. Insbesondere für weiträumige Betriebsgelände sind e-Scooter das perfekte Fortbewegungsmittel: schnell, wendig, flexibel, emissionsfrei. Zeit ist für ein Unternehmen bekanntlich Geld. Und wenn sich ein Mitarbeiter mit einem e-Scooter vier Mal so schnell von A nach B bewegt ist das ein unschlagbares Argument. Aber ein e-Scooter macht nicht nur die betrieblichen Abläufe besser: gerade in Städten bietet er sich als kostengünstiges, umweltfreundliches und modernes Benefit für die MitarbeiterInnen an, ein „Dienst-Scooter“ sozusagen. Im vielzitierten „war for talents“ können sich Unternehmen so geschmeidig von der Konkurrenz abheben und sich als modern und innovativ positionieren. Das gleiche gilt natürlich für e-Roller und e-Bikes. Wir haben das Netzwerk und die Expertise. Unternehmen sparen Unmengen an Zeit durch unsere Ausschreibungen, die für die Unternehmen überdies kostenlos sind.
Wie ist die Idee zu Ihrem Start-up entstanden?
Martin Krißmer, mein Co-Founder, und ich interessieren uns schon seit langem für die Themen e-Mobilität und Verkehrswende. Wir haben festgestellt, dass der Kauf eines e-Fahrzeugs mit vielen Problemen behaftet ist: neuer Markt, verschiedene Fahrzeugkategorien und teils noch nicht allzu bekannte HerstellerInnen mit exzellenten Produkten. Unsere Fragen konnten wir nur mit mühseliger Recherchearbeit beantworten. Ich befasse mich bereits seit Jahren intensiv mit Plattformen und wirtschaftlichen Ökosystemen. Aus diesen Überlegungen entstand dann schließlich die Idee für unseren Marktplatz. Nur so kann perspektivisch der ganze Markt zum Vorteil der KundInnen abgebildet werden. Martin ist genau wie ich Jurist und passionierter e-Biker mit großem Interesse an technischen Zusammenhängen. Was läge also näher als gemeinsam einen solchen Marktplatz für e-Fahrzeuge zu erschaffen, der den Markt transparent macht und dem Kunden einen zeitsparenden und einfachen Weg zum Fahrzeug bietet?
Warum gerade e-Fahrzeuge?
E-Fahrzeuge bieten eine wunderbare Gelegenheit den Verkehr und die Umwelt nachhaltig zu entlasten. Sie sind eine umweltfreundliche und kostengünstige Alternative zum Auto. Gerade in der Stadt können unsere Produkte ein Auto komplett ersetzen. e-Scooter lösen das Problem der „letzten Meile“; sie sind klein, handlich kostengünstig und machen Spaß. Kein langwieriges Suchen nach einem Parkplatz. Freiheit im Alltag! Und e-Roller oder e-Bikes sind perfekt für längere Strecken: immer mehr Menschen nutzen diese für den täglichen Weg zur Arbeit.
Was war Ihr bisher größtes Erfolgserlebnis in Bezug auf Ihr Start-up?
Einen Marktplatz zu bauen beinhaltet viele einzelne Phasen, beginnend mit der Aufbereitung des Marktes, der Konzeption und den zahlreichen Gesprächen mit Anbietern und potentiellen KundInnen. Insofern gab es zahlreiche Erfolgserlebnisse. Wichtig war insbesondere das hervorragende Feedback vom Markt während der frühen Konzeptionsphase, also in der Zeit, in der wir unsere Thesen in der Praxis zunächst einmal testen und validieren mussten. Genauso wichtig wie eine durchdachte Strategie sind natürlich die täglichen operations. Ein Marktplatz mit vielen Verkäufern ist ein technisch hochkomplexes Gebilde; wenn dann die Prozesse einwandfrei funktionieren ist das ein Meilenstein und ein Grund zur Freude. Schlussendlich haben wir außerdem bereits in einer sehr frühen Phase unseres Marktplatzes tolle Verkaufszahlen erreicht, worüber wir uns natürlich ebenfalls sehr gefreut haben. In letzter Zeit war es die hervorragende Resonanz auf unseren B2B Bereich, also die bereits erwähnten Ausschreibungen, die uns froh macht und weiter anspornt.
Was war Ihre größte Herausforderung?
Wir haben ein schlagkräftiges und eingespieltes Team. Dennoch war es am Anfang eine Herausforderung, weil so viele AnbieterInnen über uns verkaufen wollten und einen Verkäuferaccount eröffneten. Hinzu kamen noch die Fragen der EndkundInnen, die sich bei uns über e-Mobilität informieren. Erwähnenswert ist aber auch: einige Probleme, die wir in der Theorie antizipiert hatten, haben sich in der Praxis erfreulicherweise nicht gestellt. Vielleicht liegt das auch daran, dass unsere AnbieterInnen selbst oft (aber nicht nur!) Startups sind, die offen für neues sind. Jedes gelöste Problem bringt e-gears weiter nach vorne. Und: je früher Probleme auftauchen desto besser ist es. Im Übrigen gilt das Zitat von Ray Dalio: pain plus reflection equals progress.
Welche Vorteile sehen Sie in Ihrer Mitgliedschaft bei ABSOLVENTUM?
Ich habe hervorragende Erinnerungen an meine Studienzeit in Mannheim. Tolle KommilitonInnen, eine prima Infrastruktur und exzellente ProfessorInnen. ABSOLVENTUM ist eine tolle Vereinigung, die mir die Möglichkeit bietet, mit meiner Alma Mater in Verbindung zu bleiben. Und: ich freue mich jeden Monat über das Manager Magazin, das ich samstags ganz früh morgens lese, wenn meine Familie noch schläft.
Text: Dr. Matthias Weiß, Selina Mann Foto: unsplash.com
|