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ABSOLVENTUM-Mitglied Ralph Gumb über sein Startup VarioPark
25.11.2020

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Unser Mitglied Ralph Gumb spricht mit uns über sein Startup VarioPark und mit welchen Herausforderungen er bei dessen Gründung konfrontiert war.

Wie verlief Ihr beruflicher Werdegang nach dem Studium in Mannheim?

Als gelernter Bankkaufmann und BWL-Absolvent habe ich zunächst als Kreditspezialist und Spezialfondsmanager im Banken- und Immobiliensektor gearbeitet, bevor ich im Management des Projektentwicklers MP Holding bundesweit für die Entwicklung und Vermarktung moderner Logistik- und Gewerbeimmobilien verantwortlich war. Rückblickend kann ich sagen, dass ich bereits im Studium das elementare Rüstzeug für meine spätere berufliche Karriere mitbekommen habe. Denn die Fachbereiche Logistik, Marketing und Wirtschaftsgeographie sind wesentliche Komponenten für die Branche, in der ich mich seit einigen Jahren bewege. Gerade das Wissen um ökonomische Prozesse und Strukturen in ihren jeweiligen räumlichen Dimensionen hat mir in der Zeit nach dem Studium enorm geholfen.

Wie entstand dann die Idee für das Startup VarioPark?

Die Entwicklung und Umsetzung eigener Ideen hatte mich zunehmend gereizt und letztlich dazu motiviert, neue Wege zu gehen. Ich wollte innovative Konzepte selbstständig realisieren und dabei möglichst wenige Kompromisse machen. In erster Linie ging es darum, ein Unternehmen nach meinen persönlichen Ideen und Wertmaßstäben aufzubauen und erfolgreich am Markt zu positionieren. Meine Branchenkenntnisse und meine Expertise als Diplom-Kaufmann waren dabei sehr hilfreich.

Wie sehen diese Maßstäbe aus?

Zunächst: Meine Unternehmensphilosophie ist nicht allein auf eine kurzfristige Gewinnmaximierung ausgerichtet. Unsere Projekte orientieren sich am Gemeinwohl, an gesellschaftlichen, ethischen und ökologischen Werten. Wirtschaftlicher Erfolg ist natürlich existenziell wichtig, muss der eben beschrieben Unternehmenskultur aber keineswegs entgegenstehen. Im Gegenteil: Nachhaltiges ökonomisches Wachstum ist meiner Meinung nach nur dann möglich, wenn Wirtschaft, Umwelt und Soziales im Einklang miteinander stehen. Nicht nur als Vater von drei Kindern weiß ich, dass wir auch an zukünftige Generationen denken müssen. Nachhaltigkeit darf keine leere Hülle bleiben, sondern muss als Selbstverständnis tief in einem Unternehmen verankert sein. Unser Ziel ist, die Gewerbeparks nicht nur CO2-neutral zu betreiben, sondern beispielsweise auch klimaschädliche Kohlendioxid-Emissionen im Alltagsverkehr zu reduzieren. Daher setzen wir als Team auch auf alternative Mobilität. Viele Mitarbeiter kommen mit dem Fahrrad, vor Ort machen wir uns für mehr Leihradstationen stark. Wir wollen einen möglichst kleinen ökologischen Fußabdruck hinterlassen.

Wann erfolgte der Schritt in die Selbstständigkeit?

VarioPark wurde 2017 gegründet – und zwar genau zum richtigen Zeitpunkt. Ich hatte damals in der Immobilienbranche eine wachsende Nachfrage nach kleinteiligen Gewerbeflächen beobachtet, die wir mit attraktiven und flexiblen Konzepten bedienen wollten. Die Idee war und ist, aus neu erschlossenen oder brachliegenden Arealen attraktive, innovative und zukunftsfähige Gewerbestandorte zu entwickeln. Gerade Start-ups brauchen Entwicklungsperspektiven durch passgenaue und variable räumliche Konzepte. Als Gründer weiß ich das aus eigener Erfahrung allzu gut.

Welche Herausforderungen hatten Sie auf den ersten Metern zu bewältigen?

In unserem Fall war das natürlich vor allem das Aufspüren von geeigneten Flächen. Wir haben von Anfang an in den Metropolregionen Rhein-Main und Rhein-Neckar nach Grundstücken unterschiedlicher Größe gesucht. Der Bedarf an aussichtsreichen Standorten ist nach wie vor sehr hoch. Umso mehr freut es uns, dass die Gewerbeparks in Bensheim, Pfungstadt und Frankenthal so erfolgreich gestartet sind und trotz der Corona-Krise voll im Zeitplan liegen. Eine andere Herausforderung lag und liegt in den oftmals zähen bürokratischen Prozessen, denen man als Unternehmer ausgesetzt ist. Regulierungen und langwierige Verfahren liegen wie Mehltau auf der Wirtschaft. Flexibilität und Reaktionsgeschwindigkeit sind in Zeiten global verflochtener Märkte aber entscheidende Faktoren für erfolgreiches unternehmerisches Handeln. Es reicht nicht aus, qualitativ hochwertige und preiswerte Produkte anbieten zu können. Man muss auch als erster am Markt sein. Übermäßige bürokratische Hürden gefährden unternehmerischen Erfolg und führen zu höheren Kosten. Ich würde mir wünschen, dass solche Prozesse verkürzt werden, um Investoren mehr Planungssicherheit zu bieten.

Was genau unterscheidet VarioPark von der Konkurrenz?

Wir sind konzeptuell auf modulare Gewerbeeinheiten spezialisiert, die kleinen und mittleren Unternehmen aus praktisch allen Branchen maximale Flexibilität und Wachstumsräume bieten. VarioPark bietet die Möglichkeit, Logistik- und Lager- sowie Showroom- oder Produktionsflächen mit Büros zu kombinieren. Die Flächen können hinsichtlich Ausstattung und Aufteilung an den individuellen Bedürfnissen der Mieter ausgerichtet werden. Durch eine standardisierte Bauweise werden die Kosten niedrig gehalten. Gleichzeitig legen wir viel Wert auf qualitativ hochwertige Komponenten, die individuellen Nutzungsanforderungen und Ansprüchen gerecht werden. Das Thema Nachhaltigkeit spielt nicht nur in der Unternehmenskultur, sondern auch in der Ausführung eine zentrale Rolle. Von der Entwicklung über die Planung und die Konstruktion bis hin zum Betrieb denken wir jeden einzelnen Prozess als Teil eines ganzheitlichen Projekts. Alle Materialien werden nach ökologischen Aspekten ausgewählt, eingesetzt und genutzt. Auch dann, wenn dies höhere Kosten verursacht. Neben einem weitgehend autarken Gebäudebetrieb mit Ökostrom durch Solarmodule gehören dazu auch integrierte Mobilitätskonzepte, die Wiederverwertung von Rohstoffen und eine sehr geringe Bodenversiegelung mit speziellen Ablaufsystemen, um die Versickerung von Oberflächenwasser zu ermöglichen. Grundsätzlich streben wir bei unseren Projekten ein Gold-Zertifikat der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) an. Aber am Ende des Tages müssen hohe ökologische Standards konsequent gelebt und ganz konkret auf der Baustelle umgesetzt werden.

Was würden Sie als Ihr größtes Erfolgserlebnis bezeichnen?

Das war die Phase, in der wir gemerkt haben, dass ein anspruchsvolles innovatives Konzept aufgeht und funktioniert. Unsere modularen Ausstellungs-, Lager- und Produktionsflächen trafen den Nerv der Unternehmen. Die Verhandlungen mit potenziellen Mietern waren von Anfang an vielversprechend, wenngleich wir uns in der Folge eine stärkere Nachfrage nach unseren Flächen gewünscht hätten. Wir verfügen derzeit noch über freie Kapazitäten, etwa am Standort Bensheim. Der symbolische Spatenstich zum Baustart des Gewerbeparks in meiner Heimatstadt war für mich, um auf die Frage zurückzukommen, ebenfalls ein ganz besonderer Moment.

Welche Ratschläge haben Sie für Studierende, die sich gerade beruflich orientieren und eventuell selbst gründen möchten?

Eine breit gefächerte berufliche Ausbildung hat noch keinem geschadet. Wer frühzeitig möglichst viele Erfahrungen sammelt, genießt später ein solides Fundament an wertvollem Praxiswissen. Bereits während des Studiums sollte man seine Kenntnisse und damit auch seine Perspektiven für die Zukunft sinnvoll erweitern. Ein Lebenslauf muss heute nicht mehr makellos stringent sein, denn Karrieren verlaufen längst nicht mehr so linear wie früher. Das eröffnet Chancen und Möglichkeiten auch abseits der eigentlichen Ausbildungsbiografie. Und ganz wichtig: Kontakte knüpfen und in Verbindung bleiben. Ein dynamisches Netzwerken ist für den beruflichen Erfolg elementar. Das schafft neue Perspektiven und fördert zudem die Identifikation mit der Region, in der ein Unternehmen verankert ist.

Text: Selina Mann, VarioPark
Fotos: Portraitfoto (Kathrin Rückes), VP-Fotos (Aron Mimietz)

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