eDOCation: Das Start-up für DoktorandInnen 03.03.2021
Unser Mitglied Dr. Alexander Edeling ist bereits jahrelang in der Forschung tätig. Nun hat er mit einem Freund das Startup eDOCation ins Leben gerufen, mit dem die beiden Forschung und Praxis näher zusammenbringen wollen. In unserem Interview erzählt Herr Dr. Edeling unter anderem, welche persönliche Geschichte hinter der Gründung steckt.
Welches Ziel verfolgt ihr mit eurem Startup eDOCation? Wir wollen NachwuchsforscherInnen empowern, indem wir ihnen die Möglichkeit geben ihr Growth Mindset zu entwickeln und für sich zu nutzen. Gleichzeitig wollen wir den Transfer von universitärer Forschung in die Unternehmenspraxis erleichtern. Das alles wollen wir erreichen, indem wir eine Plattform bereitstellen, auf der NachwuchsforscherInnen in Kontakt mit verschiedenen Unternehmen treten können. Auf dieser Plattform sollen dann die „eDOCs“, das steht für „entrepreneurial DOCtoral students and postDOCs“, Training und Workshops, aber auch so etwas wie Impulsvorträge für Unternehmen anbieten können. Was wir damit anstoßen wollen, ist ein Systemwechsel. NachwuchsforscherInnen stehen recht häufig unter großem psychischen, aber auch zum Teil finanziellen Druck und eDOCation bietet die Chance, frühzeitig Kontakte in die Praxis aufzubauen. Dadurch können die NachwuchsforscherInnen die Relevanz ihrer Forschung testen, Daten für die Forschung erhalten, aber auch MentorInnen auf Unternehmensseite bekommen und letztendlich ihr Gehalt aufbessern.
Wie ist die Idee dazu entstanden? Es gibt eigentlich zwei Überlegungen, die die Sache ins Rollen gebracht hat. Der erste Ausgangspunkt ist, dass mein Mitgründer Tobias Hornig und ich zusammen an der Uni Köln am Lehrstuhl für Marketing Science und Analytics promoviert haben. Wir haben uns während der Promotion schon immer gesagt, dass es eigentlich schön wäre, wenn man mehr Kontakte in die Praxis hätte. Zum einen, weil es einfach der Forschung geholfen hätte, wenn man mal seine Ideen in Unternehmen vorstellen könnte und Zugang zu Problemen aus der Unternehmenspraxis sowie zu empirischen Daten bekommen hätte. Gleichzeitig haben wir auch unsere FreundInnen aus dem Studium gesehen, die in der Industrie angefangen und häufig ein Vielfaches von dem verdient haben, was wir bekommen haben. Die Kombination aus Zugang zu Praxiskontakten für die eigene Forschung, aber gleichzeitig auch das eigene Budget aufzubessern, indem man seine Forschung vorstellt und Unternehmen damit weiterhilft, war der erste Ursprung. Der zweite Ausgangspunkt war, als Tobi mich eingeladen hat bei seinem Arbeitgeber einen Vortrag zum Thema Business Intelligence zu halten. Ich war damals am Lehrstuhl Postdoc. Was wir dann festgestellt haben, ist, dass es unglaublich schwierig ist, wenn man als Einzelperson bei einem Großkonzern so etwas machen möchte. Es war ein unglaubliches Chaos, weil man nicht wusste, als was man mich anmelden sollte. Schließlich komme ich weder von einem Unternehmen noch bin ich selbstständig. Irgendwann hat es dann doch geklappt, aber wir haben festgestellt, dass man diesen Prozess viel einfacher gestalten könnte, wenn man eine Plattform hätte, auf der ForscherInnen und Unternehmen in Kontakt treten und das Ganze auch rechtlich abgewickelt werden könnte. Es muss gerade für junge ForscherInnen einfacher gemacht werden in die Praxis zu kommen und dort ihr Wissen im Sinne eines lebenslangen Lernens zu teilen. An welche Unternehmen richtet ihr euch mit der Plattform? Wir sind breit aufgestellt. Es ist so, dass wir natürlich aus einem empirischen Umfeld kommen und uns Stichworte wie Data Science, Ökonometrie und Big Data in der Forschung umtreiben. Alle Unternehmen, die da mehr oder weniger Aufholbedarf sehen, sind unsere Zielunternehmen und die können natürlich aus ganz unterschiedlichen Bereichen kommen – vom Großunternehmen über Mittelständler, bis hin zu öffentlichen Organisationen und Startups.
Und fokussiert ihr euch bei den ForscherInnen auf ein bestimmtes Forschungsgebiet? Auch hier wollen wir uns nicht begrenzen. Jede Forschung ist interessant und wir sind auf kein Gebiet fokussiert. Am Anfang läuft natürlich vieles noch über unsere eigenen Netzwerke, weshalb wir wohl erst einmal viele ForscherInnen aus dem betriebswirtschaftlichen Bereich auf unsere Plattform bringen werden. Wir glauben aber daran, dass ForscherInnen aus allen Gebieten eine spannende Geschichte zu erzählen haben.
Wie kann ich mir die online Plattform vorstellen? Die Idee ist, dass die eDocs aussagekräftige Profile erstellen, auf denen sie ihre Forschung kurz vorstellen und beschreiben was sie den Unternehmen anbieten. Von einem Vortrag zum Promotionsthema bis zu einer Trainingseinheit in Phyton oder R, kann man alles angeben. Unternehmen können dann Kontakt zu den jeweiligen DoktorandInnen aufnehmen und diese direkt über die Plattform buchen. Hier werden auch alle vertraglichen Fragen geklärt, damit sich die eDocs voll auf die Entwicklung der Weiterbildung konzentrieren können.
Wie ist der aktuelle Status eures Startups? Wir haben aktuell eine Kommunikationswebseite, auf der Informationen zu eDOCation zu finden sind und man sich für einen Newsletter anmelden kann. Der nächste Schritt für das zweite Quartal 2021 ist die Erstellung der Plattform. Aktuell wollen wir uns erstmal ein bisschen austesten und schauen, was für Wünsche unsere beiden Zielgruppen haben. Dafür organisieren wir am 11. März eine Kickoff-Konferenz, bei der wir uns Feedback unserer Zielgruppen einholen wollen.
Du hast ja gerade schon die Konferenz angesprochen – was erwartetet mich bei einem Besuch? Das wird ein sehr spannendes Event! Eine Besonderheit ist, dass sich die Konferenz nicht wie viele andere akademischen Konferenzen ausschließlich an ForscherInnen richtet, sondern auch an Unternehmen und es eine Kombination aus Beiträgen aus der Forschung und Praxis geben wird. Wir haben RefererntInnen von der Goethe Uni Frankfurt, Stockholm School of Economics und der Universität zu Köln. Für die Beiträge aus der Praxis konnten wir beispielsweise Beiersdorf, L’Oréal, Siemens, Otto und auch das Startup Quantilope gewinnen. Die ForschungsreferentInnen werden zum einen über ihr Forschungsgebiet sprechen, wie beispielsweise zum Thema Fake News. Bei den ReferentInnen aus der Praxis wird es hauptsächlich darum gehen, wie Methoden aus der Forschung bereits in ihren Unternehmen Anwendung finden. Natürlich wollen wir auch der Frage nachgehen, welchen Beitrag NachwuchsforscherInnen dazu leisten können, dass Unternehmen besser für die Zukunft aufgestellt werden. Außerdem konnten wir verschiedene ReferentInnen aus anderen Impact Startups für Breakout Sessions gewinnen. So wird beispielsweise der Initiator der Corona School, einer Initiative, die SchülerInnen verschiedene Angebote abseits des Lehrstoffs bereitstellt, für Fragen und Antworten bereitstehen. Einige der ReferentInnen haben wir durch unsere Teilnahme am sozialen Inkubator Programm „Wirkung hoch 100“ des deutschen Stifterverbandes kennen gelernt. Bei dem Programm wurden die hundert besten Ideen für das Innovations-, Wissenschafts- und Bildungssystem von morgen ausgezeichnet. Wir sind eines von diesen ausgezeichneten Unternehmen und konnten über dieses Programm in Kontakt mit vielen anderen Startups in den Themenbereichen Bildung, Forschung und Innovation, treten. Außerdem erwartet die TeilnehmerInnen ein Vortrag von uns zum weiteren Vorgehen von eDOCation. Alles in Allem haben wir auf jeden Fall viel vor in den drei Stunden. Wir haben noch ein paar Plätze frei, für diejenigen die noch Interesse haben.
Könntest du dir vorstellen noch einmal in die Wirtschaft zu gehen? Ich forsche ja jetzt schon 10 Jahre im Marketing und es macht mir großen Spaß. Aber wie sagt man so schön, grau ist alle Theorie und es ist schön auch einmal selbst Marketing für ein konkretes Produkt oder Event machen zu dürfen. Mit eDOCation bin ich auf jeden Fall einen Schritt in diese Richtung gegangen. Ich bezeichne eDOCation gerne als Impact-Startup, weil es auch wirklich einen sozialen Zweck dient. Ich habe da übrigens den Begriff des „Zebras“ gehört, dass sich von den Einhörnern unterscheidet. Zebras sind Startups, die sowohl Impact schaffen als auch finanziell erfolgreich sein wollen. Grundsätzlich möchte ich gerne in der Forschung bleiben. Dafür habe ich zu viel investiert und es sieht eigentlich auch ganz gut aus, ohne jetzt ins Detail zu gehen. Ich weiß, wie steinig der Weg in die Wissenschaft ist und wie schwierig es ist, sich einen Platz zu sichern. Dafür braucht man erstmal einen Ruf auf eine Professur und das dauert einfach. Viele schaffen das nicht. Auch hier können wir mit eDOCation ansetzen und dem System seinen Sackgassencharakter nehmen. Nur weil ich mich für einen Postdoc entschieden habe, heißt das nicht, dass ich keine andere Chance mehr habe, woanders arbeiten zu können. Durch eDOCation sollen die ForscherInnen merken, dass ihnen auch der Weg in die Wirtschaft offensteht, falls der wissenschaftliche Weg doch nichts für sie ist.
Warum bist du damals bei uns Mitglied geworden? Meine Studienzeit an der Uni Mannheim war eine der tollsten Zeiten meines Lebens. Es war klar, dass ich mit der Uni verbunden bleiben möchte. ABSOLVENTUM war dann die beste Form das institutionell zu verankern. Ich finde es toll den Newsletter zu erhalten und von Angeboten auf der Webseite oder der Regionalgruppen zu erfahren. Wobei ich ehrlicherweise zugeben muss, dass ich in der Regionalgruppe Köln bisher weniger aktiv gewesen bin. Ich kann mir aber vorstellen, dass die Regionalgruppen vor allem sehr hilfreich sind, wenn man in eine neue Stadt zieht. Als ich damals nach Köln für mein weiteres Studium gezogen bin, habe ich schon viele Menschen gekannt – vor allem durch mein Studium an der Uni Mannheim. Außerdem sind Netzwerke auch in der Forschung super wichtig. Und zu guter Letzt freue ich mich immer über das monatliche Manager Magazin. Das allein gleicht ja den Mitgliederbeitrag wieder aus.
Hast du noch einen abschließenden Tipp für angehende GründerInnen und Studierende? Mein Ansatz wäre, sich möglichst divers im Studium aufzustellen und Erfahrungen zu sammeln. Nicht nur Praktika im Bereich Beratung oder im Banking zu sammeln, sondern auch mal woanders reinzuschauen. Wenn man mit den Gedanken spielt selbst zu gründen, würde ich unbedingt ein Praktikum in einem Startup empfehlen. Wenn ich direkt nach dem Studium keine zündende Idee habe, dann ist das auch völlig okay erst einmal zu arbeiten und dort Erfahrungen zu sammeln. Was mein Ratschlag konkret für Studierende wäre, wäre auch ein bisschen Platz für Zufälle und Neues zu geben. Man kann nicht alles zu 100 Prozent durchplanen. Man muss sein Studium nicht in Regelstudienzeit zu Ende bringen. Nicht mit Scheuklappen durchs Leben gehen, sondern auch nach rechts und links schauen.
Wir bedanken uns für das tolle Interview und wünschen Herrn Dr. Edeling viel Erfolg für die Zukunft!
Weitere Informationen zu eDOCation gibt es auf www.edocation.org
Eine Anmeldung für die Konferenz ist über diesen Link möglich.
Text: Selina Mann Foto: Dr. Mark Elsner
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