Florian Fischer über sein Startup Styx 30.04.2021
Florian Fischer (Foto links) ist Mitbegründer der Mannheimer Kaffeerösterei Concrete Coffee Roasters. Mit Styx Urban Investments hat das ABSOLVENTUM-Mitglied gemeinsam mit David Zwilling und Marcel Hauptenbucher nun ein Unternehmen gegründet, dass Early-Stage-Startups in den Bereichen Proptech & Urban Communities unterstützt. ABSOLVENTUM hat Florian zu dem Unternehmen und dem Styx Living Lab – eine eigens entwickelte Testumgebung für die Startups – befragt.
Um was geht es bei euch konkret? Styx Urban Investments ist als Frühphasen-Investor tätig und beteiligt sich an Startups im Bereich Property Technology und Urban Communities. Also Themen rund um die Immobilie, deren BewohnerInnen und Urbane Quartiere. Wir beteiligen uns mit bis zu 500.000 EUR und investieren international. Von traditionellen Venture Capital Fonds unterscheiden wir uns, weil wir einen starken operativen Fokus haben und zusätzlich dazu auch Zugang zu einem Testumfeld, dem Styx Living Lab bieten.
David und ich haben in den letzten Jahren im Bereich Open Innovation gearbeitet und Startups mit etablierten Unternehmen zusammengebracht. Mit einigen deutschen Mittelständlern waren wir unter anderem in Israel unterwegs, einem der Hotspots für Technologie-Startups. Die Quintessenz, die wir aus dieser Arbeit gewonnen haben, ist, dass die wenigsten etablierten Firmen den Startups das anbieten, was sie eigentlich brauchen: Kontakt zu KundInnen und Zugriff auf ihren Erfahrungsschatz. Eine Frage, die man sich in der Innovationsdebatte in diesem Zusammenhang immer wieder stellt ist, was ich einem Startup eigentlich außer Geld noch bieten kann. Denn in so vielen Fällen ist das gar nicht mal das interessanteste, was man als etabliertes Unternehmen so zu bieten hat.
Im Rahmen unserer Arbeit haben wir mit Marcel einen Mannheimer Immobilien-unternehmer und -entwickler kennengelernt. Wir waren gemeinsam ein paar Mal in Tel Aviv, um uns dort das Ökosystem anzuschauen und verschiedene Startups aus der Immobilienbranche kennenzulernen. Styx Urban Investments ist genau aus diesen Erfahrungen heraus entstanden: In unserem Ansatz kommen Branchenerfahrung aus der Immobilienwirtschaft und einige zentrale Aspekte von Open Innovation zusammen. Durch diese Kombination und unsere unterschiedlichen Backgrounds im Team entsteht ein einzigartiges Modell: Wagniskapital plus Zugang zu einem Echtzeit-Testumfeld für Startups und Innovation. Mit dem Styx Living Lab geben wir frühphasigen Startups Zugriff auf Infrastruktur (Gebäude, Fassaden, Heizungen, usw.), unsere Community und proprietäre Daten: So können sie ihre Ideen testen und weiter entwickeln. Das erreichen wir, indem wir Zugriff auf ca. 150 Bestands-Immobilien in zwei Mannheimer Stadtteilen haben. Unser Living Lab dient also als eine Art Echtzeitlabor mit Zugang zu echten Daten und echten KundInnen. Uns geht es hierbei nicht um personenbezogene Daten. Wir starten aktuell zum Beispiel mit einem Projekt, in dem wir Umwelt-Daten wie z.B. die Luftqualität über verschiedene Sensoren an Hausfassaden messen wollen. Zugänge zu solchen Daten, aber vor allem auch die Expertise des Netzwerks hinter Styx stellen ein attraktives Angebot für GründerInnen dar. Unserer eigenen Erfahrung nach, ist in den ersten Monaten der Gründung oft gar nicht so sehr das Geld entscheidend, sondern viel mehr das Feedback der KundInnen und NutzerInnen. Entwickelt man ein Produkt über längere Zeit hinweg und geht dann zu spät damit an den Markt, stellt man fest, dass man das Problem der KundInnen oft gar nicht löst oder – schlimmer noch – 20 neue Probleme entstehen. Im Styx Living Lab wäre so etwas nicht möglich.
Seit wann gibt es Styx? Ende Oktober 2020 haben David, Marcel und ich Styx zu dritt gegründet. Im November und Dezember haben wir unsere ersten InvestorInnen mit ins Boot geholt und mittlerweile auch unser erstes Startup Investment getätigt. Dabei handelt es sich um Mateo, ein Startup, das die Kommunikation von Mietern und Vermietern digitalisiert und automatisiert. Das ist ein klasse Beispiel wie Startups von einer Zusammenarbeit mit uns profitieren. Zusätzlich zum Investment entwickeln wir das Produkt jetzt mit einer Mannheimer Hausverwaltung. Mateo ist übrigens eine Ausgründung aus der Uni Mannheim, war Teil der Programme des MCEIs und Mieter im MAFINEX. Mit Styx haben sie nun auch ihren ersten Investor aus dem Kreis der Alumni der Uni Mannheim gefunden. Das Netzwerk scheint auf jeden Fall zu funktionieren.
An welche Startups richtet ihr euch? Wir sind auf Unternehmen fokussiert, die innovative Lösungen für die Immobilienbranche bereitstellen oder in einem urbanen Stadtteil zum Einsatz kommen können. Dazu zählen wir auch Themen wie urbane Landwirtschaft, Abfallwirtschaft, local commerce oder kreislaufwirtschaftliche Lösungen. Für uns ist es immer wichtig, dass wir den Firmen, in die wir investieren, einen größtmöglichen Mehrwert durch das Styx Living Lab bieten können. Das geht dann oft über klassische Immobilien-Themen wie virtuelle Besichtigungen oder ähnliches hinaus. Auf unserem LinkedIn-Account haben wir angefangen, unsere Suchfelder, also Bereiche die wir besonders spannend finden genauer zu definieren. Grundsätzlich sind wir da recht offen, denn oft sehen die GründerInnen einen Mehrwert, den unser Testumfeld bietet, welchen wir so noch gar nicht gesehen haben. Letztendlich ist es uns nicht wichtig, woher die Startups kommen, sondern, dass wir gemeinsame Anknüpfungspunkte zu unserem Living Lab finden.
An welchem Standpunkt seid ihr gerade? Selbstverständlich freuen wir uns immer mit spannenden Startups in Kontakt zu treten. Wir planen in nächster Zeit unser Portfolio weiter auszubauen, legen den Fokus aber auch sehr stark auf Partnerschaften. Wir kooperieren sowohl mit anderen InvestorInnen, als auch mit größeren Unternehmen oder Mittelständler, die Interesse und potentielle Schnittmengen mit unseren Themen haben oder aus der Immobilienbranche kommen. Natürlich sind langfristig auch Partnerschaften mit Forschungseinrichtungen gerade im Hinblick für den Aufbau des Living Labs für uns relevant.
Wie konnte dir die Mitgliedschaft bei ABSOLVENTUM bisher helfen? Die Gründerszene ist sehr stark netzwerkgetrieben und von der Mentalität geprägt, sich gegenseitig zu unterstützen. Meine Kontakte aus der Studienzeit waren mir schon immer eine große Hilfe. Durch ABSOLVENTUM habe ich noch mehr Alumni aus der Uni Mannheim kennengelernt und Kontakte zu den verschiedenen Lehrstühlen knüpfen können. Es ist toll, ein Teil eines so großen Netzwerks zu sein, in dem die „Zurückgeben“-Mentalität so vertreten ist. Im Laufe der letzten Jahre habe ich mit vielen Leuten zusammengearbeitet, die ebenfalls Alumni der Uni Mannheim sind und jetzt auch in ähnlichen Bereichen wie ich unterwegs sind. Ich finde es ist unglaublich wichtig, sich gegenseitig zu unterstützen. Ich hoffe nun auch meinen Beitrag als Mentor leisten zu können.
Warum hast du dich dazu entschieden Mentor bei uns zu sein? Es ist super wertvoll, wenn man jemanden hat, dem man in einem ungezwungen Umfeld Fragen stellen kann oder auch mal eine Idee vorstellen kann und die Perspektive von anderen gespiegelt zu bekommen. Auf der anderen Seite ist es auch für mich total spannend in den Austausch zu gehen und zu sehen, wie andere Menschen über bestimmte Dinge denken. Es sollte immer für beide Seiten einen Mehrwert generieren und von dieser „Geben und Nehmen“-Mentalität geprägt sein. Ich finde es toll, aktiv zu werden und verschiedene Menschen bei ihren Projekten zu unterstützen und weiterzuhelfen. Auch bei Styx spiegelt sich dieser Mentoring-Charakter wider und es wird noch eine Stufe weitergedacht; wir versuchen unsere Startup-GründerInnen soweit es geht mit Rat und Tat zu unterstützen und ehrliches Feedback zu geben. Ich würde sagen, dass das Mentoring-Verhältnis bei uns noch fokussierter ist und speziell auch auf die strategische Ausrichtung des Startups gerichtet ist. Wir sind zudem auch immer Investoren – da hat man nochmal einen ganz anderen Bezug, als bei einem reinen Mentoring.
Du hast vorhin angedeutet, dass du auf deinen Reisen intensive Einblicke in die Startup Szene in Israel bekommen hast. Was fehlt uns hier in Deutschland noch deiner Meinung nach? Ich glaube, dass da gerade schon sehr viel passiert und auch viel Gutes dabei ist. Meiner Meinung nach wird in Mannheim, im Vergleich zu größeren gehypten Ökosystemen wie Berlin, sehr viel gemacht und weniger darüber gesprochen. Ich glaube wir schließen mit Styx eine Lücke im Bereich der lokalen FrühphaseninvestorInnen. Je näher Startups an potentiellen InvestorInnen dran sind, desto eher schaffen sie es auch investment-ready zu werden. Grundsätzlich glaube ich, dass wir in Deutschland noch eine zu große Angst vorm Scheitern haben und dass dadurch viel unternehmerisches Potenzial verloren geht. In anderen Ländern ist es schon fast schon ein Gütesiegel, einmal auf die ein oder andere Weise gescheitert zu sein und dadurch gestärkt aus der Situation herauszukommen. Außerdem wird oft zu viel über die Ideen geredet und schließlich wenig in die Tat umgesetzt.
Dann kommen wir schon zur letzten Frage. Welche Tipps hast du für Leute, die auch mit dem Gedanken spielen zu gründen? Mein größtes Learning ist schnellstmöglich in Interaktion mit anderen zu treten. Sei es mit potenziellen NutzerInnen oder KundInnen, aber ab einem gewissen Zeitpunkt auch mit InvestorInnen. Man sollte früh genug validieren, wie das Produkt ankommt und nicht lange mit der Idee hinterm Berg halten. Man sollte immer die Perspektive der EndkundInnen einnehmen. Sprecht mit so vielen Leuten als nur möglich über eure Idee und seid offen für deren Input. Man sollte auch mit möglichen WettbewerberInnen in den Dialog treten und den Konkurrenzgedanken an der einen oder anderen Stelle hintenanstellen. Stattdessen sollte man gemeinsam nach Kooperationsmöglichkeiten suchen. Ich glaube aber, das Wichtigste ist wirklich seiner Idee Raum zu geben und sie durchzuziehen. Vieles ergibt sich auch auf den Weg. Außerdem sollte man immer Netzwerke wie ABSOLVENTUM nutzen.
Wir bedanken uns bei Florian für das tolle Interview und wünschen ihm und seinen KollegInnen viel Erfolg!
Foto: Styx/Florian Fischer Text: Selina Mann
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