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Luca Lea Kleene und Patrizia Fazli über Ihr Start-up whylab
26.05.2021

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Die aktuelle Situation zwingt insbesondere junge Menschen, sich mehr mit sich selbst und mit dem, was ihnen im Leben wichtig ist, zu beschäftigen. Auch bei unserem Mitglied Luca Lea Kleene hat das vergangene Jahr eine Sinnkrise ausgelöst. Weil sie in dieser Situation für sich selbst kein zufriedenstellendes Unterstützungsangebot finden konnte, gründete sie gemeinsam mit Patrizia Fazli, ebenfalls ABSOLVENTUM-Mitglied, und zwei weiteren Mitgründerinnen whylab. whylab hat es sich zur Mission gemacht, Menschen zu befähigen, sich selbst besser kennenzulernen und so ein Leben zu gestalten, was sie leben wollen.
Wir haben mit den beiden Mitgliedern gesprochen und sie zu ihrem Startup, ihrer Vision und Motivation befragt.

Was ist die Idee hinter whylab?
Luca: Mit whylab haben wir eine Plattform für Purpose und persönliche Weiterentwicklung geschaffen. Unter Purpose verstehen wir, den persönlichen Sinn zu finden, den Beitrag und den Wert, den jede/r einzelne leistet und in sich hat. Es geht darum, die eigenen Stärken, Werte und Lebensvorstellungen zu erkennen und dann auch danach zu leben.
Patrizia: In der Praxis durchlaufen unsere TeilnehmerInnen ein sechswöchiges Programm mit festen wöchentlichen Online-Terminen, das auf wissenschaftlichen Methoden basiert. Es ist bewiesen, dass Lernen und persönliche Weiterentwicklung in Kleingruppen viel effektiver und nachhaltiger ist, als sich dem Thema im Alleingang zu widmen. Außerdem fühlen sich dort die TeilnehmerInnen viel mehr committed; sie bleiben am Ball. Das ist extrem wichtig, damit unsere Programminhalte auch erfolgreich angewendet werden können. Wir haben jetzt schon viele Gruppen, die unseren gesamten Prozess durchlaufen haben und haben sehr gute Erfolge verzeichnen können. Insbesondere das persönliche Feedback der TeilnehmerInnen am Ende des Programms zeigt uns, was für einen großen Impact wir auf ihr Leben haben.

Welche Kursinhalte erwarten mich bei einer Teilnahme?
Luca: Aktuell haben wir unser Kern-Programm, das sich „Finde deinen Purpose“ nennt und aus sechs Sessions besteht. In jeder Session beschäftigen wir uns mit einem anderen Thema, beispielsweise handelt eine Sitzung davon, die eigenen Stärken zu erkennen, zu stärken und zu leben. In der letzten Session verfasst jede(r) TeilnehmerIn ein eigenes Purpose-Statement und lernt, wie man dieses zum Leben erweckt.
Patrizia: Genau, das ist auch das Besondere an unserem Programm. Wir arbeiten sechs Wochen daran, die Basis zu schaffen, damit am Ende unsere TeilnehmerInnen mit etwas Greifbarem – dem eigenen Statement – hinausgehen können. Also alles hinuntergebrochen auf einen Satz, der dich in deiner Essenz widerspiegelt und dir selbst eine Orientierung gibt. Viele sagen, dass es nun ihr „Nordstern“ ist und wir finden, dass diese Beschreibung sehr passend ist.
Luca: Oder wie eine Schablone, die man immer mitnehmen kann, vor allem dann, wenn große Entscheidungen anstehen. Uns ist natürlich bewusst, dass das Wort Purpose aktuell ein viel diskutiertes Buzzword ist – gerade im Business Kontext wird es inflationär verwendet. Es gibt viele Bücher, in denen es um den Sinn des Lebens geht und die LeserInnen dazu inspirieren, sich selbst zu hinterfragen. Allerdings setzt man im Endeffekt meistens doch nichts davon um. Wenn man sich abends mal hinsetzt, um eine Selbstreflexion zu schreiben, gewinnt eben doch meistens Netflix. Wir wollen das nun ändern und setzen dabei auf die Gruppendynamik und die wissenschaftlichen Methoden. Dass unser Konzept bisher aufgeht, zeigt die große Zufriedenheit der TeilnehmerInnen. Was vielleicht noch wichtig zu erwähnen ist, ist, dass entgegen häufiger Erwartung kaum jemand nach whylab seinen Job kündigt und/oder in eine NGO geht. Oftmals ist die größte Erkenntnis, wie man den eigenen Mehrwert im aktuellen Umfeld durch kleine Verhaltensveränderungen besser einbringen kann.

Wie ist die Idee zu whylab entstanden?
Luca: Mir kam die Idee tatsächlich letzten Sommer aus meiner eigenen Krise heraus. Damals wurde das Unternehmen, für das ich gearbeitet habe, übernommen und ich konnte mich nicht mehr länger mit der Firma und meinem Job identifizieren. Ich habe mich ganz stark gefragt, wofür ich stehe, wer ich bin und welchen gesellschaftlichen Beitrag ich leisten möchte. In diesem Krisenmodus habe ich schlichtweg alles hinterfragt. Ich habe dann begonnen viel zu dem Thema zu lesen und mir Podcasts anzuhören. Das alles hat mir zwar Inspiration geliefert, aber nicht meine Fragen beantwortet. Erstmal habe ich dann herausgefunden, dass ich nicht allein mit dieser Problematik bin: 80% aller Millennials erleben eine sogenannte „Quarter-life Crisis“. Das habe ich natürlich auch privat in meinem Freundes- und KollegInnenkreis erlebt. Obwohl die Symptome dafür unterschiedlich sein können, ist der Hauptgrund der gleiche: Keinen Purpose zu haben. Schließlich habe ich mich dann wissenschaftlich mit dem Thema auseinandergesetzt und entdeckt, dass es schon viele Studien zu Methoden der Sinnfindung, eigener Weiterentwicklung und Glück gibt. Ich habe mich also gefragt: Warum wenden diese Methoden nicht alle an und wieso wissen nicht mehr Menschen davon? So ist dann die Idee zu whylab entstanden und dann ging es sehr schnell. Mit meiner Mitgründerin und ehemalige Kollegin Nikola hatte ich mich sowieso schon privat viel zum Thema Purpose ausgetauscht und Sarah, unsere andere Mitgründerin, haben wir dann über eine gemeinsame Freundin kennengelernt. Sie ist Psychologin, insofern ergänzen wir uns perfekt. Patrizia, die selbst bereits Gründungserfahrung hat, war ebenfalls vom Thema begeistert und kam dann auch noch dazu.
Patrizia: Ich liebe es jedes Mal, wenn du davon erzählst (lacht). Ich kann das total unterschreiben, weil wir alle vier unsere eigene persönliche Purpose Krise hatten. Und genau deswegen funktionieren wir so gut zusammen und können das Thema auch so authentisch rüberbringen – weil es jede von uns selbst erlebt hat.
Luca: Bei mir war es extrem durch den Job getrieben. Vielen geht es so nach ihrem Uni-Abschluss. Bei Nikola war der Auslöser eine Krankheit. Manche kommen aber auch zu uns, einfach weil sie jetzt 30 geworden sind und sich nun die Frage stellen, wo sie eigentlich im Leben stehen. Es ist spannend zu sehen, welche Schlüsselereignisse eine intensive Auseinandersetzung mit sich selbst auslösen.

Und an wen richtet ihr euch konkret?
Patrizia: Pauschal könnte man sagen, an alle, die Interesse daran haben, sich selbst besser kennenzulernen und den eigenen Purpose zu finden. Dabei ist es egal, ob man 18 ist und gerade sein Abitur gemacht hat, oder ob man 65 ist und gerade in Rente geht. Aktuell arbeiten wir vermehrt mit Studierenden und Young Professionals zusammen, weil es natürlich die Zielgruppe ist, mit der wir am besten connecten und uns selbst identifizieren können. In dem Prozess, wir nennen es „Journey“, geht es auch viel darum gehört und verstanden zu werden. Für diese Zielgruppe können wir das authentisch wiedergeben. In Zukunft wollen wir uns aber vergrößern und erweitern, um für jedes Alter und jegliche Lebenssituation ein Angebot zu schaffen. Die Frage nach dem eigenen Sinn ist etwas, das sich ja auch verändert. Nur weil ich sie für mich einmal beantwortet habe, ist es nicht so, dass für immer der Deckel zu ist.

Was war bisher eure größte Herausforderung?
Luca: Für mich war am Anfang die Gründung per se das schwierigste, weil es einfach sehr bürokratisch ist. Es hält einen davon ab, sich mit den wirklich wichtigen Dingen zu beschäftigen. Was eine sehr konstante Herausforderung im Alltag für uns ist, ist die Abwägung zwischen Tagesgeschäft und Zukunftsplanung. Wir mussten uns jetzt einen wöchentlichen Terminblocker setzen, bei dem es ausschließlich um die Zukunfts- und Visionsplanung von whylab geht.
Patrizia: Ich glaube für jedes Business und jede Gründung ist es wichtig und gleichzeitig schwierig immer kundenorientiert zu denken. Nach der Teilnahme an unserem Kurs gelangen die „whylab-Graduates“ in unsere Community und man steht weiterhin im Austausch. Manchmal hat man die Vorstellung, das Produkt in eine Richtung zu bringen, die aber im Endeffekt keinen Mehrwert mehr für die KundInnen bringt. Persönliche Vorlieben und Erfahrungen rauszunehmen und sich zu fragen, was die KundInnen bzw. die Community brauchen, ist häufig sehr schwierig.
Luca: Ich finde es lustig, weil mir schon immer eingebrannt wurde, kundenzentriert zu denken. Ich dachte immer, dass sei so dahingesagt - aber es ist wirklich extrem wichtig. Und es ist tatsächlich manchmal schwierig konsequent zu bleiben, wenn man so verliebt in sein eigenes Produkt ist.

Patrizia, du hast bereits schon einmal gegründet. Würdest du sagen, dass dir das geholfen hat?
Patrizia: Total. Ich habe schon vor zwei Jahren in Holland gegründet und hatte damals meine eigene Yoga-Event Reihe. Der Kontext war ein bisschen anders, weil ich an den meisten Themen alleine gearbeitet habe und nur mit wenigen PartnerInnen zusammengearbeitet habe. Man ist sich schon bewusster, was auf einen zukommt, denn Gründen ist einfach eine Achterbahnfahrt. Es ist mit sehr viel Stress und Risiko und vielen neuen Erfahrungen in kurzer Zeit behaftet. Man macht diese Erfahrungen nicht in einem Angestelltenverhältnis. Aber es ist extrem wertvoll, denn man lernt so viel daraus. Deshalb kann ich es jedem empfehlen, der diesen Funken in sich verspürt, zu testen, was das heißt. Aber auch nur unter der Prämisse, dass man intrinsisch motiviert ist, denn dann ist auch diese Achterbahnfahrt einfacher durchzuhalten.
Luca: Ich wollte zum Beispiel nie gründen. Bei mir ist das komplett idealistisch getrieben. Ich möchte einfach den Menschen ermöglichen, sich ein kleines bisschen besser kennen zu lernen und dadurch glücklicher zu werden. Es ist wirklich erfüllend zu erleben, dass wir Menschen mit whylab erreichen und bereichern. Ein Faktor für die Gründung war für mich tatsächlich auch die Arbeitskultur im eigenen Unternehmen zu prägen. Bei uns im Team gibt es beispielsweise keine festen Rollen mehr (wie CMO, CPO etc.). Wir funktionieren basierend auf unseren Stärken und auf dem, was wir lernen wollen.

Was sind eure Zukunftspläne?
Luca: whylab wird natürlich ein Unicorn. Ganz klar (lacht). Ganz konkret arbeiten wir gerade in Co-Kreation mit unseren KundInnen an einem zweiten Programm. Außerdem bereiten wir eine integrierte, kundenzentrierte Lösung von whylab vor. Ein großer Fokus wird außerdem auf dem Community Ausbau liegen.

Wollt ihr das Ganze auch in Präsenz machen oder soll es online bleiben?
Luca: Sehr spannende Frage. Am Anfang hatten wir tatsächlich Bedenken, ob man online eine richtige Verbindung mit anderen Menschen aufbauen kann und über Persönliches sprechen kann. Es funktioniert aber wahnsinnig gut. Nichtsdestotrotz fände ich es super in ein paar Jahren einen physischen Ort zu haben, der nicht nur als unser Büro dient, sondern in dem sich auch Gruppen treffen können.

Welche Empfehlungen habt ihr an Studierenden?
Patrizia: Nehmt bei whylab teil (lacht). Aber tatsächlich – wenn ich an meine Studienzeit zurückdenke, wäre das so gut gewesen, sich mehr mit meinen Stärken und meinem Purpose zu beschäftigen. Man ist in diesem Hamsterrad gefangen, du möchtest unbedingt in den ersten Job rein und denkst gar nicht richtig über die längerfristige Zukunft nach. Dann bist du im ersten Job und fragst dich: „Was jetzt?“. Deshalb würde ich allen Studierenden raten, mutig zu sein und sich mit dem eigenen Purpose auseinanderzusetzen. Warum sage ich mutig? Ich glaube viele machen es nicht, weil sie Angst davor haben, welche Dinge man herausfindet und nicht weiß, wo der Weg hinführt. Ich glaube besonders in dem Alter, einen Weg zu gehen, den andere nicht gehen und etwas anders zu machen, braucht sehr viel Mut. Sprecht auch mit anderen darüber. Nicht allein im Kämmerchen, sondern mit anderen, denn gemeinsam ist man stark. Es wird sich auszahlen.
Luca: Man wird auch sehr viel von seinem Umfeld getrieben – natürlich auch in Mannheim. Die meisten sind ins Investmentbanking, in die Beratung oder in einen großen Konzern gegangen. Das ist natürlich auch alles legitim. Ich habe dann einfach genau das gemacht, ohne groß darüber nachzudenken. Aber wenn man weiß, wer man ist, was die Stärken sind und wie man sich sein Leben vorstellt, kann man so eine Entscheidung viel bewusster treffen. Wenn man dann also zum Beispiel in einem Jobinterview sitzt, hat man eine innerliche Checkliste und innerliche Alarmglocken, die klingeln, wenn der Job nicht zu einem selbst oder den Lebensvorstellungen passt.

Warum seid ihr damals zu ABSOLVENTUM gekommen?
Patrizia: Für mich war das Thema „Zurückgeben“ ausschlaggebend. Ich habe mich als Studentin oft lost gefühlt und hätte viel für ein Mentoring und mehr Guidance gegeben. Vor allem, wenn man nicht aus einer Akademikerfamilie kommt und kein Netzwerk hat, welches dir das geben kann. Mit dem ABSOLVENTUM Mentoring-Programm kann ich das nun anderen bieten und habe mittlerweile zwei Mentees, die unglaublich toll und nett sind. Einerseits merke ich, wie viel sie davon profitieren. Andererseits nehme auch ich viel mit aus dem Mentoring-Verhältnis. Vor allem der Kontakt zu der neuen Generation StudentInnen – auch, wenn es vielleicht etwas doof klingt, aber euch machen viele andere Sachen aus – ist super interessant. Meine Mentees stellen mir Fragen, bei denen ich mir oft denke: „Wow, das ist so toll, dass ihr euch damit bereits beschäftigt“. Als Gründerin oder Führungskraft ist es immer wichtig ein Verständnis für alle möglichen Personengruppen zu haben.
Luca: Ich habe sehr viele gute FreundInnen und Bekannte damals in Mannheim kennengelernt und ein starkes Netzwerk aufgebaut. Jeder will dem anderen helfen. ABSOLVENTUM systematisiert das für mich.

Wir bedanken uns herzlich für das tolle Interview bei den beiden und wünschen Ihnen viel Erfolg für die Zukunft.

Für alle, die durch das Interview Lust auf mehr bekommen haben, können wir einen exklusiven Rabatt von 10% auf Programm bei whylab anbieten. Sag bei deinem Intro Gespräch einfach, dass du von ABSOLVENTUM kommst und der Rabatt wird dir gewährt.

Text: Selina Mann
Foto: whylab

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