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#successstory: Harro Hoseus
28.10.2021

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Er ist ABSOLVENTUM-Mitglied der ersten Stunde und hat es geschafft, zwei Welten miteinander zu vereinbaren – er kann auf eine Karriere im Management zurückblicken und hat gleichzeitig Erfolg in der Kunst: Harro Hoseus. Der gebürtige Mannheimer hat vor kurzem seine Zelte in München abgebrochen und ist nach Spanien ausgewandert, um sich dort ganz seiner Leidenschaft zur Malerei und Bildhauerei zu widmen. In unserer neuen #successstory erzählt er von seinem Entschluss, Betriebswirtschaftslehre zu studieren, seiner Verbindung zu ABSOLVENTUM und seinem Leben, das ganz unter dem Motto steht: „Mut wird immer belohnt“.

War es für Sie schon immer klar, dass Sie studieren werden?
Bereits als Jugendlicher habe ich mir sehr viele Gedanken über das Leben gemacht. Denn das Allerwichtigste ist es, zu entdecken, was man von diesem überhaupt will. Eines war für mich schon immer zentral, auch schon mit achtzehn: Ich wollte nicht auf mein Leben zurückblicken und denken, dass ich etwas verpasst oder falsch gemacht habe. Deswegen habe ich viele Dinge ganz bewusst einfach ausprobiert. Nach dem Abitur habe ich eine Ausbildung zum KFZ-Schlosser gemacht, danach hat mir mein Vater ein Ingenieurstudium ans Herz gelegt. Das habe ich ein Semester an der FH ausprobiert — aber das war für mich kein richtiges Studieren. Denn ich wollte studieren. Und auch, wenn ich mich bereits vor meinem Studium, das ich im Jahr 1992 begonnen habe, intensiv mit Kunst beschäftigt habe, kam ein Kunststudium nicht in Frage.

Weshalb haben Sie sich gegen ein Kunststudium entschieden?
Ich war schon früh in der Kunstszene unterwegs – damals war vor allem noch die Lyrik mein Steckenpferd, im Laufe der Jahre wurde es dann die Malerei und Bildhauerei. So hatte ich das Glück, diverse KünstlerInnen kennen zu lernen und habe auf diese Weise sehr schnell gemerkt: Man muss es schaffen, zu den ganz Großen zu gehören, sonst kann man davon nur schwer leben. Mir war klar, dass ich mich auf keinen Fall für meine Miete künstlerisch „prostituieren“ wollte, sprich lediglich Malaufträge annehmen und von Galerien ausgenommen werden. Stattdessen wollte ich selbstbestimmt Dinge erschaffen und gestalten und meine Kreativität ausleben können. Denn das bedeutet Kunst für mich: Freiheit. Aber das muss man sich natürlich auch leisten können.

Und mit der BWL haben Sie sich ein zweites Standbein aufgebaut?
Mehr als das: Durch das Studium der BWL wollte ich mich selbst sponsern und mir die Kunst so leisten können. Das war immer das große Leitmotiv, daher war das BWL-Studium eine sehr bewusste Entscheidung. Und dann war ganz klar, dass nur das Schloss in Frage kommt. Auch wenn ich mich mit Mannheim als meiner Heimatstadt sehr verbunden fühle, wollte ich schon damals eigentlich in eine Großstadt, nach Berlin oder München. Aber ich wollte natürlich auch an die beste Uni für BWL und die findet man schlichtweg in Mannheim. Zum Studieren ist und bleibt Mannheim einfach sensationell, die Atmosphäre ist super und ich habe es nie bereut, in der Quadratestadt geblieben zu sein – natürlich nicht zuletzt, weil ich meine Frau, die ebenfalls BWL studiert hat, so kennen gelernt habe.

Wie haben Sie ihr Studium und Ihre Karriere mit Ihrer Kunst vereinbart?
Während des Studiums hatte ich sehr viele Ausstellungen, zum Beispiel in Tel Aviv oder im Hambacher Schloss unter der Schirmherrschaft des Rheinland-pfäzischen Ministeriums. Das heißt, ich war richtig im Stress während des Studiums. Sie müssen sich vorstellen, das waren mehrere Ausstellungen pro Jahr und nebenher musste ich natürlich noch für die Prüfungen lernen. Das war schon abenteuerlich!
Als ich im Februar 1997 meinen ersten Job in einem internationalen Unternehmen angefangen habe, hatte ich auch meine vorerst letzte Ausstellung, war nur noch privat künstlerisch tätig und habe mich zunächst auf mein berufliches Leben konzentriert. Das war auch sehr spannend und hat sehr viel Spaß gemacht. Ich bin zum Beispiel für ein halbes Jahr gemeinsam mit meiner Frau – damals noch Freundin – mit nur ein paar Sprachbrocken nach Frankreich gegangen. Tagsüber habe ich Projektmanagement gemacht und abends bis zwölf Uhr mein Französisch aufgebessert. Das war am Anfang wirklich nicht so einfach – hatte dann aber ein Happy End: Wir konnten eine höhere 3-stellige Umsatzsteigerung verzeichnen. Während dieser Jahre ist die Kunst etwas in den Hintergrund gerückt.

Stattdessen haben Sie erst einmal Karriere gemacht?
Genau. Dabei hat es sich im Grunde immer so angefühlt, als hätte ich zu große Aufgaben übernommen und andere haben immer wieder gesagt: „Das würde ich mich nicht trauen, sondern lieber kleine Stufen gehen.“ Aber ich habe mich den Herausforderungen gestellt und als ich aus Frankreich zurück nach Deutschland kam, hat eine Beförderung mit erster Führungsverantwortung auf mich gewartet. Durch den Aufbau des internationalen Managements für die Firma hatte ich die Chance, mich auch im Beruf kreativ austoben zu können und zum Beispiel für einige Monate in die USA zu gehen. Für das Unternehmen habe ich dann fast 10 Jahre zuletzt als Geschäftsbereichsleiter und Geschäftsführer in Hamburg gearbeitet. Nach meinem Jobwechsel war ich als Exportleiter tätig; zuerst von Hamburg dann von München aus und habe dort die Welt kennen gelernt: Von Amerika, über Malaysia bis nach China oder Indien. So habe ich Einblicke bekommen, die man als Tourist so nicht hat und das war wirklich ein Geschenk. Parallel haben meine Frau und ich in Hamburg einen Schuhladen um die Ecke vom Jungfernstieg eröffnet, bei dem wir 50% selbst designte Schuhe und 50% andere Labels verkauft haben. Unter der Woche habe ich die Welt bereist und am Wochenende bin ich zwischen Hamburg und München gependelt.

Das klingt nach einem sehr bewegten Leben!
Im Rückblick muss ich sagen: Wahnsinn! Das war eine wirklich wilde Zeit. Aber diese Kreativität und Abwechslung hat mir auch Kraft gegeben. Nebenher haben wir stets privat weiter gemalt, wodurch unsere Wohnung immer voller wurde. Deswegen haben wir dann in München ein schönes Atelier gemietet, konnten uns dort richtig austoben und hatten mehrere Ausstellungen. Das hat mich ungeheuer ausgeglichen neben meinem stressigen Job. Es wurde nämlich noch heftiger: Ich bekam ein Angebot aus Portugal, vom größten portugiesischen Kork-Hersteller, und war dann verantwortlich für die Vertriebsgeschäfte mehrerer Tochtergesellschaften auf der ganzen Welt. Eigentlich war der Sitz in Portugal aber in der Realität war mein Büro im Flugzeug: Ich bin mehrmals am Tag geflogen – nach China, Niederlande, USA, Schweiz usw. Gemeinsam mit meiner Frau habe ich mich entschieden, das Ganze drei Jahre durchzuziehen, sodass wir schließlich unsere Unabhängigkeit verwirklichen können.

Wie sah und sieht diese Unabhängigkeit aus?
Zuerst habe ich einige Jahre als selbstständiger Consultant gearbeitet. Durch die Kunst, die wir dann aber endlich wieder verstärkt machen konnten, ist das Consulting jedoch immer mehr ins Hintertreffen geraten — und die Kunst hat sich ein bisschen verselbstständigt. Unser Atelier, das wir über 10 Jahre lang hatten, lief gut und schließlich haben wir uns einen Traum verwirklicht und uns ein Haus in Spanien gekauft. Zum Abschluss, sozusagen als Abschied von Deutschland, haben wir noch eine letzte Ausstellung in der Orangerie im englischen Garten in München gemacht und in der Retrospektive alle unsere Bilder ausgestellt, die wir noch hatten. Dabei hatten wir tolle Unterstützung von ABSOLVENTUM und haben die Ausstellung gemeinsam mit der Regionalgruppe München und ihrem Regionalgruppenleiter, Prof. Dr. Alexander Hahn, organisiert und durchgeführt. Alexander hat auch die Eröffnungsrede gehalten.

Wie halten Sie sonst die Verbindung zu ABSOLVENTUM aufrecht?
Ich war ja sozusagen fast von Anfang an dabei und bin bis heute geblieben. Als ich damals an der Uni Mannheim studiert habe, war ABSOLVENTUM gerade dabei, zu entstehen. Ich erinnere mich noch gut an den Mitgliederausweis aus Papier, damals bei Hans Raffée. Das war etwas ganz Neues und mit dem Konzept des Netzwerkens war ABSOLVENTUM seiner Zeit weit voraus. Der Verein ist einfach was Besonderes, denn er hat noch immer den Spirit von Hans Raffée inne – es geht nicht nur ums Netzwerken an sich, sondern auch um das Gefühl der Gemeinschaft! Das hat man gerade auch bei den Regionalgruppen immer sehr gemerkt. Als wir nach Hamburg und dann nach München gezogen sind, haben wir uns mit den jeweiligen Regionalgruppen getroffen — gerade mit der Gruppe in München haben wir sehr viel gemacht und waren regelmäßig bei tollen und interessanten Events dabei. Auf einem Segeltörn hat sich im Gespräch mit Alexander Hahn dann die Abschluss-Ausstellung ergeben. Egal wo ich während der letzten Jahre gewohnt habe, ich habe immer von den Angeboten von ABSOLVENTUM profitiert – zum Beispiel auch durch die Zusendung des Unimagazins FORUM, des manager magazin oder der Zeitschrift Capital.

Sie haben also das Netzwerk sehr gut nutzen können?
Auf jeden Fall. Wobei ich das nicht mit „ausnutzen“ verbinden würde, denn es geht viel mehr um die Gemeinschaft. Alle sind miteinander verbunden und haben den gemeinsamen Nenner der Uni Mannheim. Ich mag es nicht, wenn man nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist — und das ist das tolle an ABSOLVENTUM, denn hier geht es nicht um Berechnung, sondern der Gemeinschaftsgedanke und das menschliche Miteinander steht im Vordergrund. Ich bin auch sehr gerne weiter mit ABSOLVENTUM in Kontakt, auch wenn seit ein paar Wochen Spanien unser Lebensmittelpunkt ist.

Und was möchten Sie dort in Zukunft tun?
Wir haben jetzt den großen Meilenstein für uns erreicht, es uns erlauben zu können, dieses Leben hier in Spanien zu führen. Wir sind hier, um uns die Zeit für die Dinge zu nehmen, die uns Spaß machen, zum Beispiel um unser Atelier im Erdgeschoss unseres Hauses zu führen. Natürlich ist so ein Umzug in ein anderes Land ein Risiko und erfordert Mut. Man gibt einiges Vertrautes auf, aber man kriegt auch viel dafür zurück. Mut wird unserer Erfahrung nach belohnt: Immer wenn wir ins Risiko gegangen sind, hat sich das am Ende gelohnt. Wie es jetzt weiter geht? Man weiß nie, was die Zukunft bringt. Vielleicht fällt uns irgendwann nichts mehr ein, das wir malen und bildhauen möchten und dann steht vielleicht das Consulting wieder stärker im Vordergrund. Wir haben beides gelernt und mit beidem Erfolg gehabt, mal war der Job vorne, jetzt ist die Kunst präsent. Damit sind wir sehr zufrieden und bleiben offen, flexibel und schauen einfach was die Zukunft bringt!

Was würden Sie als Ihr Rezept für Erfolg bezeichnen?
Das Zentrale ist es, zu entdecken, worum es wirklich geht und um was es einem selbst im Leben geht. Außerdem muss man Gelegenheiten einfach am Schopf packen. Und rechtzeitig Träume realisieren, denn manchmal ist es zu spät, zum Beispiel durch Schicksalsschläge oder Krankheit. Denn das ist doch im Grunde das Wichtigste: Dass man gesund ist, dass man einen guten Partner hat und Geborgenheit findet. Es geht im Grunde um so wenig und dieses Wenige darf man vor lauter Karriere nicht vergessen. Ich hatte das Glück – und Glück gehört immer dazu –, dass ich mein Privatleben und meine Karriere gut vereinbaren konnte, aber ich habe nicht um jeden Preis Karriere gemacht. Meine Frau sagt immer: „Das Leben ist zu kurz für irgendwann“ und deswegen haben wir uns entschieden genau jetzt nach Spanien auszuwandern. Man muss einfach den Mut haben, das zu tun, was man möchte.

ABSOLVENTUM bedankt sich bei Herrn Hoseus für dieses interessante und nette Interview! Schauen Sie hier auf der Webseite des Künstlers vorbei.

Text: Selina Supper
Bild: Harro Hoseus

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