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#absolventumTALK mit Dr. Ralf Braunagel
14.02.2022

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Er arbeitet bei einer der Big Four der Steuer- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften und hat an der Universität Mannheim sein Studium als auch seine Promotion am Lehrstuhl für Betriebswirtschaftliche Steuerlehre II bei Professor Christoph Spengel abgeschlossen: Dr. Ralf U. Braunagel. Heute ist der gebürtige Pfälzer Partner bei PriceWaterhouseCoopers (PwC) im Bereich M&A Tax und leitet den Bereich Private Equity Tax. In unserem neuen #absolventumTALK spricht er mit uns darüber, was ihm an seinem Studium am besten gefallen hat, was genau seine Tätigkeiten im Bereich der steuerlichen Transaktionsberatung sind und welchen großen Kunden er kürzlich beraten durfte.

Wo liegen Ihre Wurzeln?
… in Dannstadt-Schauernheim, das ist ein kleiner Ort zwischen Mannheim und Neustadt an der Weinstraße in der schönen Vorderpfalz. Der Region bin ich auch nach wie vor treu geblieben und lebe mit meiner Familie hier. Wir verbringen die Wochenenden gerne in der Pfalz.

War für Sie schon immer klar, dass Sie Betriebswirtschaftslehre studieren möchten?
Bereits während der Schulzeit hatte ich eine große Affinität für wirtschaftliche Zusammenhänge und hatte als Jugendlicher sogar ein kleines Unternehmen gegründet. Nach Abwägung zwischen einem Jura Studium ist die Wahl schlussendlich auf die BWL gefallen, aber ohne einen konkreten Berufswunsch im Blick zu haben, sondern primär, weil das Interesse im Vordergrund stand – meiner Meinung nach der wichtigste Motivator bei der Studiengangwahl. Ich fand es spannend, mich mit gesamtwirtschaftlichen Zusammenhängen auseinander zu setzen und zu lernen, wie man diese mitgestalten kann. Aus dem Überblick hat sich dann über die Jahre hinweg auch erst der Beruf als Unternehmensberater für mich als passend herauskristallisiert. Durch den herausragenden Ruf der Universität Mannheim waren die Studienplätze schon damals umkämpft, für mich war aber klar, dass ich von den Besten lernen wollte.

Blicken Sie gerne auf Ihr Studium zurück?
Auf jeden Fall, nicht nur im Hinblick auf die Schneckenhof- und Norwegerfeten. Ich erinnere mich auch noch gut an die ersten Vorlesungen 1997 mit 1.000 Studierenden im hoffnungslos überfüllten A3-Hörsaal, denen wir auf den Treppenstufen oder von der Empore folgten. Das Grundstudium war damals schon eine persönliche Herausforderung für viele, zum einen inhaltlich, denn es ist viel Selbstdisziplin, Eigenverantwortung und Organisation gefragt, rückblickend erkennt man dann aber den Mehrwert, diese Extra-Meile gegangen und daran gewachsen zu sein.
Ich habe viel Zeit an der Universität Mannheim verbracht und das Lehrangebot sehr gerne genutzt und zu schätzen gewusst. Durch die exzellente Lehre und die außeruniversitären Arbeitsgruppen haben sich für mich zahlreiche Möglichkeiten ergeben, um sich auszuprobieren und über den Tellerrand zu schauen – etwas, was ich jedem ans Herz legen möchte, denn daraus entwickeln sich so viele, neue berufliche und persönliche Perspektiven. So konnte ich über die Veranstaltung „Jura für BWLer“ mein Interesse für die Rechtswissenschaften aufgreifen und bin dadurch erst auf die Steuerlehre und Steuerrecht gekommen. Schlussendlich habe ich neben meinem Hauptstudium noch einen „Master of Business Law and Taxation“ an der juristischen Fakultät absolviert, den es heute so nicht mehr gibt. Danach habe ich am Lehrstuhl von Christoph Spengel promoviert.

Sind Sie der Universität Mannheim dabei permanent treu geblieben?
Beinahe, nach kurzer Zwischenstation an der Universität Gießen, hat Christoph den Ruf der Universität Mannheim 2006 angenommen. Aber der Austausch mit der Uni Mannheim ist auch während meiner Promotionszeit in Gießen nie abgebrochen, wir hatten z. B. gemeinsame Doktorandenseminare zwischen dem ZEW und den Lehrstühlen in Gießen und Mannheim. Als erste Doktorandengeneration bin ich auch heute noch eng mit Christoph und seinem Lehrstuhl sowie der Area Accouting & Taxation verbunden.

Aus dieser Leidenschaft und der Verbindung zur Steuerlehre ist auch vor mehr als 10 Jahren der Verein Mannheimer Forum Accounting and Taxation entstanden. In meiner Funktion als Vorstandsvorsitzender und Mitbegründer freue ich mich sehr, Teilhabe an der Gestaltung dieses einzigartigen, deutschlandweiten Netzwerkes zu haben, um die Attraktivität und Förderung der Fächer Steuerlehre und Rechnungslegung nachhaltig bei den kommenden Generationen zu erhöhen und den fachlichen Kontakt zu meinen Kollegen aus der Wissenschaft und Wirtschaft zu halten. Wir haben festgestellt, dass der persönliche Austausch mit praxisnahen Personen in unserem Verein jungen Menschen bei der Auswahl von Karrierewegen hilft, sich doch für das vermeintlich „langweilige“ Fach Steuern und/ oder Rechnungslegung zu begeistern – meist eine Liebe auf den zweiten Blick, dafür aber mit sehr viel Perspektive und Gestaltungsmöglichkeiten. Der Verein ist auch eine Herzensangelegenheit für mich, um der Universität etwas zurückzugeben, von dem ich profitieren durfte. Wir sind auch sehr stolz auf unsere Mitglieder und Netzwerkpartner, die uns auch nach der Unizeit unterstützen und als Austauschpartner suchen.

Wie war Ihr Start in die Arbeitswelt?
Nach der Promotion bin ich 2009 bei PwC eingestiegen und habe zu Beginn verschiedene Stationen in Frankfurt, Hamburg und München durchlaufen. Eine sehr prägende Zeit – auch mitten in der Finanzkrise -, um viele verschiedene Projekte kennenzulernen, sich eigenständig ausprobieren zu dürfen und sein Netzwerk aufzubauen. Man trifft auch viele ehemalige Mannheimer Absolventen früherer Generationen hier oder auch auf Projekten – das Stichwort „Universität Mannheim“ verbindet. Allerdings waren die Lehrjahre zu Arbeitsbeginn noch nicht vorbei, denn um im komplexen Bereich Steuern zu beraten, ist der Abschluss des Steuerberaters relevant und empfehlenswert. PwC begleitet hier mit Freistellungsmöglichkeiten und fachlichem Input und bietet somit Raum für eine optimale Vorbereitung.

Wie kann man sich Ihre Tätigkeit bei PwC genau vorstellen?
Als Partner im Bereich M&A Tax und Leiter von Private Equity Tax in Deutschland liegt mein Fokus insbesondere auf Private Equity. Private Equity sind KundInnen von uns, die sich darauf spezialisiert haben, andere Unternehmen zu kaufen, zu halten und fit für die Zukunft zu machen.
Bei diesem Prozess der M&A Transaktion begleiten und beraten wir steuerlich. Das ist wie beim Hauskauf: Der Käufer selbst ist üblicherweise kein/e ExpertIn darin, um zu beurteilen, ob der Keller trocken ist, das Dach und die elektrischen Leitungen in Ordnung sind. Zur Einschätzung zieht der Käufer Fachleute hinzu. So ähnlich ist das bei unseren Mandaten: SteuerberaterInnen, WirtschaftsprüferInnen und RechtsberaterInnen schauen, ob es versteckte Mängel gibt, die es beim Kaufpreis oder bei den Kaufvertragsverhandlungen zu berücksichtigen gilt. Schließlich kommt irgendwann die Frage auf: Wie kaufe ich überhaupt so ein Haus (Unternehmen)? Und wie finanziere ich das eigentlich? Nachdem der Kauf abgewickelt ist, möchte man das Haus (Unternehmen) eventuell „renovieren“ oder es vielleicht in bestehende Investments integrieren. Auch bei dieser sogenannten Post-Deal-Integration betreuen und beraten wir. Dass unsere Arbeit die gesamte Lebenskette einer Transaktion umfasst, ist für mich das spannende: Von der Risikoprüfung (der sog. Due Diligence), der Hilfe bei den Kaufvertragsverhandlungen, der Unterstützung bei der Strukturierung und Finanzierung der Transaktionen bis hin zur Integration in die bestehenden Strukturen. Unsere MandantInnen und die Zielunternehmen sitzen auf der ganzen Welt, meine Arbeit ist also sehr international. Zudem ist sie sehr interdisziplinär, da wir auch mit KollegInnen aus anderen Bereichen zusammenarbeiten. Das heißt, ich habe nicht nur meine Steuerbrille auf, sondern schaue auch den JuristInnen oder WirtschaftsprüferInnen über die Schultern – das macht es sehr abwechslungsreich.

Was war die letzte große Transaktion, die Sie begleiten durften?
Das war der Kauf von Birkenstock, eine der größten Transaktionen in Deutschland im letzten Jahr. Der Luxuskonzern Moët Hennessy Louis Vuitton SE (LVMH) hat gemeinsam mit dem Private-Equity-Unternehmen L Catterton Birkenstock für fünf Milliarden gekauft. Auch jetzt noch begleiten wir Birkenstock bei dem Transit. Die hohe Komplexität der Transaktion dieses Traditionsunternehmens, die ich mit meinem Team steuerlich begleiten durfte, war eine spannende und immer wieder neue Erfahrung. Es gibt aber natürlich noch viele andere Projekte mit Hidden Champions – für mich und mein Team sind das interessante Marktinsights, die den Blick für weitere Transaktionsprojekte schärfen.

Wie sind Sie auf ABSOLVENTUM aufmerksam geworden und seit wann sind Sie dabei?
Der Netzwerkcharakter von ABSOLVENTUM als größte fakultätsübergreifende Vereinigung war zu meiner Studienzeit schon herausragend und einzigartig. Zum Ende meines Studiums 2004 wollte ich der Universität verbunden bleiben und bin bei ABSOLVENTUM eingetreten – es war klar, dass ich Teil dieses Netzwerks sein muss. Das umfassende Angebot für alle Teilnehmergruppen, der fakultätsübergreifende Charakter und der zentrale Aspekt einer Austauschplattform zur alma mater auch nach der Studienzeit zu haben, führt einen immer wieder zusammen – ein toller Platz auch um neue Impulse, Reflexionen und Inspirationen zu erhalten. Zu diesem Netzwerk etwas beitragen zu können, aber eben auch davon zu profitieren, ist einfach eine großartige Sache.

Was würden Sie den Studierenden der Uni Mannheim mit auf den Weg geben?
Mein Tipp wäre, mit offenen Augen durchs Leben und das Studium zu gehen, dabei neugierig, mutig, flexibel und immer offen für neue Konzepte und Lerninhalte zu bleiben. Trotz all dem Zeit- und Leistungsdruck ist es lohnend, Phasen einzuplanen, in denen man sich auch interdisziplinären Themen widmet, Praktika oder Auslandssemester absolviert, die Möglichkeiten sind vielfältig. Die Studienzeit ist dabei ein wichtiger Impulsgeber für die Persönlichkeitsentwicklung und schärft den Blick für das Wesentliche im eigenen Leben. Brüche in der Berufsbiographie werden heute mehr als Zugewinn gesehen, denn nur wer weiß, wo sein innerer Kompass liegt, geht aus Spaß an der Sache gerne die Extra-Meile für seinen persönlichen Erfolg und den Erfolg des Teams. Außerdem ist neben einem professionellen auch ein persönliches und kollegiales Netzwerk von großer Bedeutung für die erfolgreiche, berufliche Laufbahn – und nicht selten resultieren daraus auch lebenslange, private Kontakte.

Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?
Unternehmen sind stetig im Wandel, die Corona Pandemie hat es uns mehr als verdeutlicht. Als Partner bei PwC trage ich unternehmerische Mitverantwortung, gestalte die Zukunft des Unternehmens, der Wirtschaft und Gesellschaft mit. Es ergeben sich immer wieder neue Herausforderungen im Prozess- & Transaktionsbereich. Und privat: Nun ja, die bucket list ist lang.

Text: Selina Supper & Dr. Ralf Ulrich Braunagel
Foto: Dr. Ralf Ulrich Braunagel

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