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„Radikal. Real.“ gemeinsam entdecken: ABSOLVENTUM in der Kunsthalle Mannheim
27.08.2026

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Am Samstag, den 22. August 2026, waren Mitglieder der Regionalgruppe Rhein-Neckar zu Gast in der Kunsthalle Mannheim und besuchten gemeinsam die Ausstellung „Radikal. Real.“

Mit rund 150 Werken widmet sich die Ausstellung dem Nouveau Réalisme und seinem internationalen Umfeld. Die Bewegung entstand zu Beginn der 1960er Jahre und suchte nach neuen Wegen, die gesellschaftliche Wirklichkeit unmittelbar in die Kunst einzubeziehen. Statt ausschließlich mit klassischen Materialien zu arbeiten, griffen die Künstler:innen auf Alltagsgegenstände, Konsumgüter, industrielle Materialien und Fundstücke zurück – und machten damit eine Welt zum Gegenstand ihrer Kunst, die sich durch Massenproduktion, Werbung und Medien zunehmend veränderte.

Wie unterschiedlich diese Auseinandersetzung aussehen konnte, zeigen die Arbeiten zahlreicher bekannter Künstler:innen. Yves Klein experimentierte unter anderem mit intensiver Farbe und ungewöhnlichen künstlerischen Verfahren und wurde insbesondere für sein charakteristisches Blau bekannt. Daniel Spoerri erklärte Überreste alltäglicher Situationen zu Kunst und fixierte beispielsweise Gegenstände auf Tischflächen in seinen sogenannten „Fallenbildern“. Arman wiederum beschäftigte sich mit der massenhaften Ansammlung und Wiederholung von Alltagsobjekten, während César unter anderem durch seine Kompressionen bekannt wurde, bei denen etwa Metall und Industrieprodukte zu neuen skulpturalen Formen verdichtet wurden.

Auch Bewegung und Aktion spielten eine wichtige Rolle. Jean Tinguely schuf kinetische, teils bewusst absurd anmutende Maschinen und hinterfragte damit nicht zuletzt Fortschritts- und Technikvorstellungen seiner Zeit. Niki de Saint Phalle wiederum bezog den Entstehungsprozess unmittelbar in ihre Kunst ein, etwa mit ihren berühmten Schießbildern, bei denen Farbbeutel durch Schüsse zum Platzen gebracht wurden. Später entwickelte sie mit ihren farbenfrohen Nanas eine ganz eigene, unverwechselbare Bildsprache. Christo rückte durch das Verhüllen und Verändern von Gegenständen deren Form und Wahrnehmung auf neue Weise in den Mittelpunkt.

Die Ausstellung beschränkt sich dabei nicht auf die bekannten Vertreter:innen des Nouveau Réalisme. Arbeiten von Künstler:innen wie Jasper Johns, Alina Szapocznikow, Tetsumi Kudo, Chryssa und Feliza Bursztyn erweitern den Blick und zeigen, wie international und vielfältig die Suche nach neuen künstlerischen Ausdrucksformen in den 1960er Jahren war. Zugleich beleuchtet „Radikal. Real.“ das Verhältnis zwischen Nouveau Réalisme und Pop Art und macht sowohl Gemeinsamkeiten als auch unterschiedliche Perspektiven auf Konsum, Alltag und Massenkultur sichtbar.

Gemälde, Skulpturen, Installationen und Arbeiten auf Papier treten dabei in Dialog mit Fotografien, Archivmaterial sowie Film- und Videodokumenten von Performances und Aktionen. Dadurch wurde besonders anschaulich, dass für viele Künstler:innen nicht nur das fertige Werk, sondern auch der künstlerische Prozess selbst eine wichtige Rolle spielte.

Spannend war nicht zuletzt der Blick aus heutiger Perspektive: Fragen nach unserem Verhältnis zu Konsum, Medien, Technik und alltäglichen Gegenständen, mit denen sich die Künstler:innen bereits vor mehr als 60 Jahren beschäftigten, wirken überraschend aktuell.

Unser gemeinsamer Besuch bot damit nicht nur viele neue Einblicke in eine prägende Epoche der Kunstgeschichte, sondern auch reichlich Gesprächsstoff und Gelegenheit zum Austausch untereinander.

Vielen Dank an alle, die dabei waren und diesen Vormittag gemeinsam mit uns in der Kunsthalle Mannheim verbracht haben!


Text und Fotos: Sibylle Runz




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